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Der Hase und der Jäger: Warum Wiederholung im Training kein Zufall ist – sondern Neuro-Wissenschaft mit Wirkung!



Das merke ich mir - nicht?

Alle, die in einem Projekt mit mir oder Thomas Untereichner zusammengearbeitet, oder ein Training mit mir gemacht haben, kennen die Herausforderung von "Jäger und Hase". Dabei geht es darum, wie wir unsere Fähigkeit zu lernen, verbessern können.


Stell dir nur einmal vor, du gehst in ein Seminar, hörst einen inspirierenden Impuls, denkst dir: "Das merke ich mir!" – und drei Wochen später fällt dir nur noch die Farbe des Flipcharts ein. Was ist passiert?


Die Antwort liegt weniger in deinem Gedächtnis – sondern vielmehr in der Funktionsweise unseres Gehirns. Lernen ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein biologischer Prozess, der Wiederholung, Bedeutung und emotionale Verknüpfung braucht.


Dieser Artikel erklärt, warum Wiederholung im Training kein didaktischer Trick, sondern neurobiologisch notwendig ist, wie echte Erlebnisse den Lerneffekt verstärken und weshalb ein bisschen Humor dabei Wunder wirken kann.


1. Lernen ist Wiederholen – aber bitte mit System


🧠 Unser Gehirn liebt Muster – aber vergisst schnell


Das menschliche Gehirn verarbeitet täglich Tausende von Eindrücken. Um nicht im Chaos zu versinken, bewertet es fortlaufend: Was ist relevant? Was kann weg? Nur Informationen, die als bedeutungsvoll und wiederholt wahrgenommen werden, schaffen es in den Langzeitspeicher.


Wenn wir also in einem Training etwas Neues hören, entsteht eine erste synaptische Verbindung zwischen Nervenzellen. Aber diese Verbindung ist noch wackelig – wie ein Trampelpfad durchs hohe Gras. Ohne Pflege und Wiederholung wächst sie schnell wieder zu.


Nur durch gezielte Wiederholung – also das mehrfache Aktivieren derselben Denkrichtung – wird aus dem Pfad eine stabile neuronale Autobahn. Die Information wird dann schnell und zuverlässig abrufbar.


🔬 Langzeitpotenzierung – das Zauberwort der Neurobiologie


Wissenschaftlich ist dieser Prozess unter dem Begriff Langzeitpotenzierung (Long-Term Potentiation, LTP) bekannt. Bei wiederholter Aktivierung verstärken sich die Signale zwischen Nervenzellen – sie feuern effizienter, häufiger und koordinierter.

Je häufiger wir eine bestimmte Verbindung aktivieren, desto „eingespielter“ wird unser Gehirn – und desto wahrscheinlicher ist es, dass wir auf dieses Wissen im richtigen Moment zugreifen können.


2. Wiederholung allein reicht nicht – sie braucht Bedeutung


🧩 Lernen braucht Relevanz


Unser Gehirn speichert vor allem das, was bedeutsam erscheint. Trainingsinhalte, die keinen Bezug zur Realität der Teilnehmenden haben, werden schneller verdrängt – ganz gleich, wie oft sie wiederholt werden.

Wiederholung funktioniert also nur dann wirklich, wenn das Wiederholte auch als wichtig, nützlich oder persönlich relevant erlebt wird.


🎯 Didaktischer Transfer in die Praxis


In wirkungsvollen Trainings bedeutet das:

  • Redundanz ist erlaubt und wichtig – aber mit Variation: Wiederhole Inhalte, aber wechsle die Perspektive, den Kontext oder die Methode.

  • Rückblicke und Reflexionen helfen, bereits Gelerntes aktiv ins Gedächtnis zu holen und weiter "vorne" abzuspeichern.

  • Transferfragen aktivieren das eigene Denken: "Was bedeutet das konkret für meinen Führungsalltag?"

  • Wiederholte Anwendung in kleinen Übungen sorgt für Stabilität und Routine, die in herausfordernden Situationen souverän sein lässt


3. Persönliche Erlebnisse machen Lernen nachhaltig


🧠 Emotionen verankern Erfahrungen


Was du nicht vergisst? Die erste Präsentation, bei der du ins Schwitzen kamst. Der Konflikt im Team, der dich Tage beschäftigt hat. Oder das Gespräch mit deinem Coach, das dir die Augen geöffnet hat.

Warum bleiben solche Erlebnisse haften? Weil sie emotional aufgeladen sind – und damit im Gehirn mit hoher Priorität verarbeitet und gespeichert werden.


🎓 Trainings, die auf echten Erfahrungen aufbauen, wirken tiefer


Wenn Trainingsinhalte an die realen Herausforderungen und Erlebnisse der Teilnehmenden anknüpfen, erhöht sich die Lernwahrscheinlichkeit enorm. Es entsteht ein inneres „Aha! Das kenne ich!“, das nicht nur die Aufmerksamkeit steigert, sondern auch die Bereitschaft zur Veränderung.

Wirkungsvolle Trainings:

  • lassen Teilnehmende eigene Beispiele einbringen,

  • arbeiten mit echten Fällen und Führungsdilemmata,

  • bieten Raum für Reflexion: "Was hätte ich damals anders machen können?"

  • machen Emotionen sichtbar und bearbeitbar.

Der Effekt: Inhalte werden nicht nur verstanden, sondern durchlebt – und dadurch nachhaltig gespeichert.



4. Humor ist ein Lernbooster – und kein Bonus


😂 Lachen öffnet das Gehirn


Lernen unter Stress funktioniert schlecht – das zeigen viele Studien. Umgekehrt verbessert ein positiver emotionaler Zustand die Aufnahmebereitschaft. Und hier kommt Humor ins Spiel.


Wenn wir lachen, schüttet das Gehirn Dopamin, Serotonin und Endorphine aus – die berühmten Glücks- und Belohnungsstoffe. Diese sorgen nicht nur für gute Laune, sondern auch für bessere Aufnahme, höhere Motivation und stärkere Verknüpfungen im Langzeitgedächtnis.


💡 Humor schafft Verbindung und öffnet Denkräume


Gerade in Führungskräftetrainings, in denen es oft um komplexe oder heikle Themen geht (Konflikte, Fehler, blinde Flecken), kann Humor emotionalen Druck nehmen, Distanz erzeugen und gleichzeitig Verbindung schaffen.

Gute Trainer:innen nutzen Humor gezielt:

  • mit pointierten Beispielen aus dem Alltag,

  • mit spielerischen Elementen oder Visualisierungen,

  • durch Selbstironie, um Hierarchien abzubauen,

  • mit humorvollen Metaphern, die hängen bleiben.


5. Was das für Trainings bedeutet – konkret und praxisnah


🛠️ 5 Prinzipien für gehirngerechtes Training


  1. Wiederholung mit Variation:Inhalte mehrfach platzieren, aber jeweils in neuem Kontext (z. B. erst Theorie, dann Übung, dann Fallbeispiel, dann Diskussion).

  2. Bedeutung klären:Warum ist das wichtig für mich als Führungskraft? Jede Lernsequenz braucht einen Bezug zum echten Arbeitsalltag.

  3. Erlebnisse aktivieren:Mitdenken, mitfühlen, mitentscheiden – nicht bloß konsumieren.

  4. Emotionale Anker setzen:Storytelling, persönliche Beispiele, Überraschungselemente oder visuelle Reize helfen beim Abspeichern.

  5. Humor einsetzen – gezielt und menschlich:Kein Comedyprogramm, aber Leichtigkeit als Lernklima. Wer lacht, bleibt offen.


6. Ein Beispiel aus der Praxis


Ein Unternehmen wollte die Feedbackkultur verbessern. Im ersten Trainingstag ging es um Feedback-Modelle, Kommunikationsgrundlagen und die Macht der Ich-Botschaft. Trotz Interaktion und Übung blieb vieles theoretisch – der Alltag holte die Teilnehmenden schnell wieder ein.


Im zweiten Modul, 6 Wochen später, setzte ich auf gezielte Wiederholung mit neuen Methoden:

  • Ein Quiz zu den Feedbackprinzipien (spielerisch wiederholt)

  • Aktuelle, sehr konkrete Situationen im Unternehmen

  • Reflexion eigener Feedback-Situationen mit emotionalem Bezug

  • Rollenspiele mit echten Fällen aus dem Team (Erlebnis, Anwendung)

  • Humorvolle „Worst Practice“-Beispiele als Aufhänger (Humor + Erkenntnis)


Das Ergebnis: Die Teilnehmenden erinnerten sich an Inhalte aus dem ersten Modul, verknüpften sie mit ihrer Realität – und konnten sie konkret in Handlungen übersetzen.



7. Fazit: Wer Lernen ernst nimmt, muss das Gehirn ernst nehmen

Trainings, die Wirkung zeigen, sind keine Vorträge mit Flipcharts – sondern Erfahrungsräume, in denen Wiederholung, Bedeutung, Erlebnis und Humor gezielt zusammenspielen.


Denn nur wenn Lernprozesse neurobiologisch sinnvoll aufgebaut sind, wird aus Wissen echte Kompetenz. Aus Theorie wird Handlung. Und aus Impuls wird Veränderung.


🔁 In Kürze: Warum Wiederholung (und mehr) im Training wirkt:

Lernprinzip

Wirkung im Gehirn

Umsetzung im Training

Wiederholung

Stärkung neuronaler Verbindungen

Rückblicke, Quiz, Anwendung

Persönliche Relevanz

Aktivierung tieferer Verarbeitung

Bezug zu Alltag, Transferfragen

Emotionale Erlebnisse

Höhere Speicherdauer im Langzeitgedächtnis

Reflexion, echte Fälle, Storytelling

Humor

Dopaminausschüttung, Offenheit

Humorvolle Beispiele, Leichtigkeit


Lernen bleibt – wenn es bewegt. Mit Wiederholung, echten Erlebnissen und einer Prise Humor wirkt Training nicht nur im Kopf, sondern im Handeln.



 
 
 

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